Franziska SprengerEnglische Widder · Erhaltungszucht

Wissen

Fütterung in der Absetzphase

Zwei junge blaue Englische Widder im sonnigen Gras, der vordere schaut mit hängenden Ohren direkt in die Kamera

Die Wochen rund ums Absetzen sind für junge Engländer die heikelste Zeit nach dem Nest. Der Darm stellt sich von Muttermilch auf festes Futter um, und gleichzeitig verlieren die Jungen die Häsin. Mit einem sauberen Stall, dem richtigen Futter und viel Aufmerksamkeit kommst du gut durch diese Phase.

Junger blauer Englischer Widder steht im Stroh und frisst aus einem braunen Futternapf an der Stallwand

Stallmanagement

  • Sauberkeit ist das A und O.
  • Halte die Einstreu trocken.
  • Prüfe, ob die Bucht groß genug ist, wenn die Jungen wachsen.
  • Behalte die Milchleistung der Häsin im Blick.
  • Tränke und Napf müssen für die Jungen erreichbar sein.

Eine blaue Häsin und zwei blau-weiße Jungtiere fressen gemeinsam Heu aus der Raufe

Fütterung mit dem Muttertier

Solange die Jungen noch bei der Häsin sind, fressen sie mit. Das Futter sollte deshalb gehaltvoll sein und in ausreichender Menge bereitstehen:

  • Gemüse und Gehölze (z. B. Apfelzweige und Haselnuss)
  • gutes Heu
  • viel Struktur
  • Wasser, auch mit Zusätzen (z. B. Apfelessig)
  • milchfördernde Futtermittel (z. B. Fenchelknollen und Kräuter wie Koriander oder Dillspitzen)

Eine Hand hält eine Schale mit einer Futtermischung aus Kräutern, Blüten und Gemüsestücken vor einem Kaninchenstall

Absetzen vorbereiten und durchführen

  • Vermeide unnötigen Stress.
  • Lass nach Möglichkeit zwei bis drei Junge zusammen.
  • Beobachten, beobachten, beobachten.

Drei junge Englische Widder in Blau und Blau-Weiß kuscheln sich im Stroh aneinander

Fütterung der Absetzer

Junger blau-weißer Englischer Widder sitzt in einem mit Heu gefüllten Weidenkorb

Nach dem Absetzen braucht der Darm vor allem Struktur und wenig leicht verdauliche Energie:

  • Getreide und Stärke reduzieren
  • nichts Blähendes füttern, zum Beispiel Kohl
  • zuckerreduziert füttern, also wenig Äpfel oder Karotten
  • Raufutter und Heu in ausreichender Menge
  • Kraftfutter allgemein reduzieren
  • Feuchtfutter nur in kleinen Mengen
  • beobachten, beobachten, beobachten

Wann du handeln musst

Diese Anzeichen sind Warnsignale:

  • Durchfall
  • Gewichtsverlust
  • Appetitlosigkeit
  • Aufblähen
  • Bauchschmerzen

Ein blau-weißes Jungtier sitzt mit gesenktem Kopf im Heu

Erste Hilfe bei Problemen: sofort handeln

  • Kraftfutter und Feuchtfutter entfernen.
  • Den Wassernapf niedriger stellen, damit das Tier gut trinken kann.
  • Durchfall entfernen, auf Sauberkeit achten.
  • Leicht bekömmliche Futtermittel anbieten.
  • Tee geben, zum Beispiel Magen-Darm- oder Fencheltee.
  • Medikamente wie Sab Simplex oder Kräuter.
  • Aufpäppeln, frische Luft, Freilauf und Sonne.

Eine Hand hält ein großes Bündel frisch geschnittenes Fenchelgrün im Garten, im Hintergrund Wiese und Bäume im Abendlicht

Kokzidiose oder Enterokolitis?

Durchfall und ein aufgeblähter Bauch in den Wochen nach dem Absetzen haben oft eine von zwei Ursachen: Kokzidiose oder die epizootische Enterokolitis (auch „ERE“ oder „Blähsucht“). Beide treffen genau die Jungtiere in dieser Phase, beide können schnell gefährlich werden, und sie werden oft verwechselt.

Wichtig vorweg: Am Tier allein lassen sie sich nicht sicher unterscheiden. Auch Kokzidiose kann einen Blähbauch machen, und häufig kommen beide zusammen vor. Bring bei Verdacht deshalb früh eine Kotprobe oder ein verendetes Tier zum Tierarzt, damit er die Ursache feststellen kann.

Kokzidiose

Kokzidien sind Einzeller der Gattung Eimeria. Sie befallen den Darm und, bei der Leberkokzidiose, die Gallengänge der Leber. Die Tiere stecken sich über Kot mit Oozysten an. Die Oozysten werden schon nach wenigen Tagen in feuchter Einstreu ansteckend und halten lange durch. Erwachsene Tiere tragen oft Kokzidien in sich, ohne krank zu sein. Für Jungtiere nach dem Absetzen kann eine hohe Ansteckungsdosis aber gefährlich werden.

Typisch sind breiiger bis wässriger Durchfall, weniger Appetit, Abmagern und struppiges Fell. Ob es Kokzidien sind, zeigt eine Untersuchung des Kots auf Oozysten. Am besten eignet sich eine Sammelkotprobe über mehrere Tage. Gegen Kokzidien gibt es wirksame Medikamente, aber nur über den Tierarzt.

Epizootische Enterokolitis (ERE)

Die Enterokolitis ist eine ansteckende Darmerkrankung, die Mitte der 1990er-Jahre in Frankreich zum ersten Mal beschrieben wurde. Ihre Ursache ist bis heute nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden eine gestörte Darmflora und verschiedene Clostridien. Sie trifft vor allem Jungtiere in den ersten Wochen nach dem Absetzen und kann sich schnell im ganzen Bestand ausbreiten.

Oft hören die Tiere plötzlich auf zu fressen und trinken weniger. Der Bauch ist aufgebläht und plätschert beim Abtasten. Zuerst kommt wenig oder kein Kot, dann schleimige, gallertartige Massen und später Durchfall. Ohne Behandlung sterben viele der erkrankten Tiere. Einen einfachen Labortest gibt es nicht. Die Diagnose stellt der Tierarzt meist über die Sektion und den Ausschluss anderer Ursachen. Eine spezielle Therapie gibt es nicht, umso wichtiger sind schnelles Handeln und die richtige Fütterung.

Die Unterschiede auf einen Blick

MerkmalKokzidioseEnterokolitis (ERE)
UrsacheEinzeller (Eimeria), Darm- oder Leberformnicht geklärt, ansteckend; Darmflora und Clostridien werden diskutiert
Wannvor allem nach dem Absetzenvor allem in den ersten Wochen nach dem Absetzen
Kotbreiig bis wässrig, manchmal blutigerst wenig Kot, dann Schleim und gallertartige Massen, später Durchfall
Bauchkann aufgebläht seinaufgebläht, plätschert
Fressenweniger Appetit, Abmagernplötzliche Futterverweigerung, trinkt weniger
Verlaufoft mild; schwer bei Jungtieren und starkem Befallrasch, oft mehrere Tiere im Bestand
NachweisKotprobe auf OozystenSektion und Ausschluss anderer Ursachen
BehandlungMedikamente über den Tierarzt, dazu Hygienekeine spezielle Therapie; Tierarzt, Futter umstellen

Was in beiden Fällen vorbeugt

  • Hygiene und trockene Einstreu. Das ist vor allem gegen Kokzidien das Wichtigste, weil die Oozysten in feuchter Einstreu ansteckend werden.
  • Viel Heu und Struktur, wenig Stärke und Eiweiß. Das stabilisiert die Darmflora.
  • Futterwechsel langsam, Stress vermeiden. Genau das, was oben für die Absetzer steht.
  • Regelmäßige Kotproben im Bestand, damit du Kokzidien erkennst, bevor sie Probleme machen.

Quellen: ESCCAP Deutschland, Kokzidien bei Kaninchen (öffnet in neuem Fenster) und Factsheet Hygienemaßnahmen (öffnet in neuem Fenster); R. Hoop, Universität Zürich, Die epizootische Enterocolitis (öffnet in neuem Fenster); MSD Veterinary Manual, Parasitic Diseases of Rabbits (öffnet in neuem Fenster); Licois u. a. 2005, Veterinary Research (öffnet in neuem Fenster). Dieser Abschnitt ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.

Bei Fragen

Wenn du unsicher bist, melde dich gern bei mir über das Kontaktformular.

Eine blau-weiße Häsin und drei blaue Jungtiere fressen gemeinsam frisches Grünfutter und Heu in der Ecke einer eingestreuten Box